Krankentagegeld für Selbstständige 2026: Höhe berechnen

Christian Elsbeck · 7. Juli 2026 · 8 Min.

Geschlossener Laptop neben Teetasse und Honigglas auf Schreibtisch als Symbol für Krankentagegeld bei Selbstständigen

Als Selbstständiger bekommst du von der gesetzlichen Krankenkasse im Krankheitsfall maximal 135,63 Euro Krankengeld pro Tag (Stand 2026), und das frühestens ab dem 43. Krankheitstag. Die ersten sechs Wochen gehst du komplett leer aus, wenn du nicht vorsorgst. Ein privates Krankentagegeld schließt genau diese Lücke: Du wählst Tagessatz und Karenzzeit selbst und sicherst dein tatsächliches Einkommen ab, nicht nur einen gedeckelten Durchschnittswert. Die Faustformel für die richtige Höhe: Addiere deine privaten Lebenshaltungskosten und die betrieblichen Fixkosten, die bei Krankheit weiterlaufen, und teile die Summe durch 30. Bei den meisten Selbstständigen liegt der nötige Tagessatz zwischen 100 und 200 Euro. Wichtig ist, dass Tagessatz und Karenzzeit zu deiner Liquiditätsreserve passen, sonst zahlst du entweder zu viel Beitrag oder stehst im Ernstfall mit einer gefährlichen Lücke da.

Warum Krankheit für Selbstständige ein Existenzrisiko ist

Angestellte bekommen bei Krankheit sechs Wochen lang ihr volles Gehalt weiter, danach zahlt die Krankenkasse. Bei dir als Selbstständigem gilt das nicht. Wenn du nicht arbeitest, kommt kein Umsatz rein. Gleichzeitig laufen Miete, Leasingraten, Software-Abos und Versicherungen einfach weiter.

Genau diese Kombination macht eine längere Krankheit so gefährlich: Das Einkommen fällt auf null, die Kosten bleiben bei hundert Prozent. Schon acht Wochen Ausfall können ein gesundes Geschäftsmodell in Schieflage bringen, wenn keine Absicherung existiert.

Das Krankentagegeld ist deshalb neben der Berufsunfähigkeitsversicherung die wichtigste Einkommensabsicherung für Selbstständige. Es zahlt einen vorher vereinbarten Betrag für jeden Tag, an dem du zu 100 Prozent arbeitsunfähig bist, so lange, bis du wieder arbeiten kannst oder Berufsunfähigkeit festgestellt wird.

Was zahlt die gesetzliche Krankenkasse wirklich?

Als freiwillig gesetzlich versicherter Selbstständiger hast du nur dann Anspruch auf Krankengeld, wenn du dich aktiv dafür entscheidest: Statt des ermäßigten Beitragssatzes von 14,0 Prozent zahlst du den allgemeinen Satz von 14,6 Prozent plus Zusatzbeitrag (im Schnitt 2,9 Prozent in 2026). Dafür bekommst du Krankengeld wie ein Angestellter, allerdings erst ab dem 43. Krankheitstag.

Die Höhe ist doppelt begrenzt: 70 Prozent deines beitragspflichtigen Arbeitseinkommens, maximal aber 70 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze. 2026 liegt die Grenze bei 5.812,50 Euro im Monat, das Krankengeld damit bei höchstens 135,63 Euro pro Kalendertag, also rund 4.069 Euro im Monat. Steuern fallen darauf nicht direkt an, das Krankengeld unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt.

Die zwei Haken in der Praxis: Erstens zählt dein Arbeitseinkommen laut letztem Einkommensteuerbescheid, nicht dein aktueller Umsatz. Zweitens bleiben die ersten sechs Wochen komplett unbezahlt. Bei 6.000 Euro Monatsgewinn stehen damit über 8.000 Euro Einkommensausfall im Raum, bevor die Kasse den ersten Euro überweist. Manche Kassen bieten Wahltarife für einen früheren Zahlungsbeginn an, die kosten aber extra und sind in der Höhe begrenzt.

GKV-Krankengeld und privates Krankentagegeld im Vergleich

Kriterium GKV-Krankengeld Privates Krankentagegeld
Zahlungsbeginn ab dem 43. Tag (früher nur per Wahltarif) frei wählbar, z. B. ab Tag 15, 22 oder 43
Höhe 70 % des Arbeitseinkommens, max. 135,63 € pro Tag (2026) frei vereinbarter Tagessatz bis zur Höhe des Nettoeinkommens
Dauer max. 78 Wochen innerhalb von 3 Jahren für dieselbe Krankheit solange Arbeitsunfähigkeit besteht, ohne 78-Wochen-Limit
Steuer steuerfrei, aber Progressionsvorbehalt komplett steuerfrei
Beitragslogik über den höheren GKV-Beitragssatz risikogerechter Beitrag nach Alter, Beruf, Tagessatz, Karenzzeit
Einkommensbasis letzter Steuerbescheid bei Abschluss vereinbart und dokumentiert

Für privat versicherte Selbstständige ist die Sache noch klarer: Die PKV kennt gar kein automatisches Krankengeld. Das Krankentagegeld wird hier als eigener Baustein zum Tarif abgeschlossen und gehört in jedes saubere PKV-Konzept. Wie sich die Beiträge insgesamt zusammensetzen, liest du in unserem Überblick zu den PKV-Kosten für Selbstständige.

So berechnest du deinen Tagessatz in 4 Schritten

Die richtige Höhe ist kein Bauchgefühl, sondern eine Rechnung. So gehst du vor:

  1. Private Fixkosten erfassen: Miete oder Kreditrate, Lebenshaltung, Krankenversicherungsbeitrag, Altersvorsorge, laufende Verträge. Alles, was jeden Monat vom Konto geht.
  2. Betriebliche Fixkosten addieren, die bei Krankheit weiterlaufen: Büromiete, Software, Leasing, gegebenenfalls Personal. Umsatzabhängige Kosten lässt du weg.
  3. Summe durch 30 teilen: Das Ergebnis ist dein kalendertäglicher Mindestbedarf. Krankentagegeld wird pro Kalendertag gezahlt, nicht pro Arbeitstag.
  4. Mit dem versicherbaren Maximum abgleichen: Versicherer akzeptieren in der Regel nur Tagessätze bis zur Höhe deines nachweisbaren Nettoeinkommens. Ein Puffer von 10 bis 15 Prozent über den reinen Fixkosten ist sinnvoll, mehr wird oft nicht angenommen.

Rechenbeispiel: Eine selbstständige Grafikdesignerin, 38 Jahre, erzielt 72.000 Euro Jahresgewinn, also 6.000 Euro im Monat. Ihre privaten Fixkosten: 1.400 Euro Miete, 1.100 Euro Lebenshaltung, 850 Euro Krankenversicherung, 550 Euro Altersvorsorge. Dazu 600 Euro betriebliche Fixkosten für Büro und Software. Macht 4.500 Euro im Monat. Geteilt durch 30 ergibt das 150 Euro Tagessatz. Das GKV-Krankengeld würde ihr maximal 135,63 Euro zahlen, und das erst ab Tag 43. Mit einem privaten Krankentagegeld von 150 Euro ab dem 22. Tag ist ihre Lücke geschlossen.

Welche Karenzzeit passt zu dir?

Die Karenzzeit ist der Zeitraum vom ersten Krankheitstag bis zum Zahlungsbeginn. Je später die Zahlung einsetzt, desto günstiger der Beitrag. Üblich sind Varianten ab Tag 4, 8, 15, 22, 29 oder 43.

Die Entscheidung hängt an einer einzigen Frage: Wie lange trägt dich deine Liquiditätsreserve? Wer drei Monatsausgaben flüssig auf dem Konto hat, kann problemlos eine Karenzzeit von 28 oder 42 Tagen wählen und spart dauerhaft Beitrag. Wer knapp kalkuliert, sollte ab Tag 15 oder früher absichern.

Ein bewährtes Modell für GKV-Versicherte mit Krankengeldanspruch: Das private Krankentagegeld setzt ab Tag 43 genau dort ein, wo das gedeckelte Krankengeld beginnt, und stockt die Differenz zum tatsächlichen Bedarf auf. Für PKV-Versicherte ist eine durchgängige Absicherung ab Tag 15 oder 22 der Standard.

Diese Fehler kosten dich im Ernstfall bares Geld

Tagessatz seit Jahren nicht angepasst: Dein Gewinn ist gestiegen, dein Krankentagegeld nicht. Prüfe die Höhe alle zwei bis drei Jahre. Viele Tarife bieten Nachversicherungsgarantien, mit denen du ohne neue Gesundheitsprüfung erhöhen kannst.

Nur den Umsatz abgesichert gedacht: Versichert wird dein Einkommen, nicht dein Umsatz. Wer sich am Umsatz orientiert, beantragt zu viel und bekommt im Leistungsfall Diskussionen mit dem Versicherer.

Karenzzeit ohne Blick auf die Rücklagen gewählt: Eine lange Karenzzeit spart Beitrag, funktioniert aber nur mit echter Reserve. Umgekehrt zahlt mancher für Tag-4-Schutz, den er mit solidem Polster gar nicht braucht.

Gesundheitsfragen schlampig beantwortet: Wie bei jeder Personenversicherung gilt die vorvertragliche Anzeigepflicht. Unvollständige Angaben können den Schutz im Ernstfall kosten. Bereite die Gesundheitsprüfung sauber vor, im Zweifel mit einer anonymen Risikovoranfrage über deinen Makler.

Übergang zur Berufsunfähigkeit nicht geregelt: Krankentagegeld endet, wenn Berufsunfähigkeit festgestellt wird. Achte auf Tarife mit klaren Übergangsregelungen und kombiniere die Absicherung mit einer BU-Rente, sonst entsteht genau an der Schnittstelle eine Lücke.

Krankentagegeld und PKV: ein starkes Doppel für Selbstständige

Viele Selbstständige denken über die private Krankenversicherung nach, weil sie bessere Leistungen und planbare Beiträge unabhängig vom Einkommen bietet. Das Krankentagegeld fügt sich hier nahtlos ein: Ein Vertrag, ein Ansprechpartner, aufeinander abgestimmte Bausteine, und die Leistung ist komplett steuerfrei.

Der oft gehörte Einwand, die PKV werde im Alter unbezahlbar, lässt sich dabei entspannt einordnen: Mit Altersrückstellungen, dem gesetzlichen Beitragszuschlag und cleveren Strategien wie Beitragsentlastungsbausteinen lässt sich der Beitrag im Ruhestand aktiv steuern. Und das Krankentagegeld selbst brauchst du ohnehin nur während deiner Erwerbsphase, danach kannst du den Baustein einfach kündigen und sparst den Beitrag wieder ein. Ob sich der Wechsel für dich rechnet, zeigt unser Vergleich von GKV und PKV.

Übrigens: Auch gut verdienende Angestellte über der Versicherungspflichtgrenze sollten ihr Krankentagegeld prüfen. Ab Woche sieben deckt das gesetzliche Krankengeld bei hohen Gehältern oft nur noch einen Bruchteil des Nettoeinkommens.

Häufige Fragen

Wie hoch ist das Krankengeld für Selbstständige 2026?

Gesetzlich versicherte Selbstständige mit Krankengeldanspruch erhalten 70 Prozent ihres beitragspflichtigen Arbeitseinkommens, höchstens aber 135,63 Euro pro Kalendertag. Das entspricht rund 4.069 Euro im Monat. Gezahlt wird frühestens ab dem 43. Krankheitstag und längstens 78 Wochen innerhalb von drei Jahren für dieselbe Erkrankung.

Ist Krankentagegeld für Selbstständige steuerfrei?

Ja, die Leistung aus einer privaten Krankentagegeldversicherung ist komplett steuerfrei und unterliegt auch nicht dem Progressionsvorbehalt. Das gesetzliche Krankengeld ist zwar ebenfalls steuerfrei, erhöht über den Progressionsvorbehalt aber den Steuersatz auf dein übriges Einkommen. Die Beiträge zum Krankentagegeld kannst du als Vorsorgeaufwendungen geltend machen, Details klärst du mit deinem Steuerberater.

Wie viel Krankentagegeld kann ich maximal versichern?

Versicherer begrenzen den Tagessatz auf dein nachweisbares Nettoeinkommen, meist belegt über den letzten Einkommensteuerbescheid. Als Richtwert gilt der Monatsgewinn nach Steuern geteilt durch 30. Wer mehr beantragt, riskiert Kürzungen im Leistungsfall. Steigt dein Einkommen, solltest du den Tagessatz über Nachversicherungsgarantien anpassen.

Was passiert mit dem Krankentagegeld bei Berufsunfähigkeit?

Das Krankentagegeld zahlt nur bei vorübergehender, hundertprozentiger Arbeitsunfähigkeit. Wird Berufsunfähigkeit festgestellt, endet die Zahlung nach einer tariflich geregelten Übergangsfrist. Genau deshalb gehören Krankentagegeld und Berufsunfähigkeitsversicherung zusammen geplant, damit an der Schnittstelle keine Einkommenslücke entsteht.

Brauche ich Krankentagegeld, wenn ich Rücklagen habe?

Rücklagen verschieben nur den Zeitpunkt, ab dem es kritisch wird. Drei Monatsausgaben auf dem Konto überbrücken eine kurze Krankheit, aber keine sechs oder zwölf Monate Ausfall. Sinnvoller ist die Kombination: Rücklagen decken die Karenzzeit, das Krankentagegeld übernimmt ab dann. Das senkt den Beitrag und schützt trotzdem vollständig.

Fazit

Ohne eigene Vorsorge bedeutet Krankheit für Selbstständige: sechs Wochen null Einkommen, danach bestenfalls 135,63 Euro pro Tag aus der gesetzlichen Kasse. Ein privates Krankentagegeld schließt diese Lücke passgenau, wenn Tagessatz und Karenzzeit sauber berechnet sind. Die Formel ist simpel: private plus betriebliche Fixkosten, geteilt durch 30, plus kleiner Puffer. Prüfe die Höhe regelmäßig und plane den Übergang zur Berufsunfähigkeitsabsicherung gleich mit.

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