Private Rente: Teilauszahlung & Kapitalwahlrecht 2026

Robin Koch · 19. Oktober 2026 · 9 Min.

Sanduhr und junge Topfpflanze auf einem Schreibtisch als Symbol fuer die flexible Auszahlung der privaten Rentenversicherung 2026.

Die private Rentenversicherung ist die flexibelste Form der Altersvorsorge. Zum Rentenbeginn entscheidest du frei, ob du eine lebenslange Rente, eine einmalige Kapitalauszahlung oder eine Kombination aus beidem beziehst. Diese Teilauszahlung gibt dir das sogenannte Kapitalwahlrecht, das eine Rürup-Rente nicht kennt. Steuerlich ist die Privatrente 2026 besonders attraktiv: Startet die Rente mit 67, versteuerst du laut Ertragsanteilstabelle in § 22 EStG nur 17 Prozent der Auszahlung. Wählst du stattdessen die Kapitalauszahlung und läuft dein Vertrag mindestens zwölf Jahre bis zu einem Alter von mindestens 62 Jahren, wird nur die Hälfte der Erträge mit deinem persönlichen Steuersatz belastet. Genau diese Wahlfreiheit macht die private Rente zum idealen Baustein für Selbstständige und Gutverdiener, die sich für den Ruhestand noch nicht festlegen wollen.

Was bedeutet das Kapitalwahlrecht bei der privaten Rente?

Das Kapitalwahlrecht erlaubt dir, kurz vor Rentenbeginn zu entscheiden, ob dein angespartes Guthaben als lebenslange Monatsrente fließt, vollständig als Einmalbetrag ausgezahlt wird oder sich beides kombinieren lässt. Du legst dich beim Abschluss nicht fest, sondern wählst erst dann, wenn du deine Lebenssituation im Alter wirklich kennst.

In der Praxis räumen dir die meisten Verträge ein Zeitfenster von einigen Monaten vor dem vereinbarten Rentenbeginn ein, in dem du dich erklärst. Entscheidest du dich für die Kombination, nennt man das Teilauszahlung: Ein frei wählbarer Prozentsatz deines Guthabens wird sofort als Kapital ausgezahlt, der Rest in eine lebenslange Rente umgewandelt.

Das ist der zentrale Unterschied zur Schicht-1-Vorsorge. Eine Basis- oder Rürup-Rente muss immer als lebenslange Rente ausgezahlt werden, eine Kapitaloption ist gesetzlich ausgeschlossen. Die private Rentenversicherung der Schicht 3 lässt dir dagegen offen, wie du dein Geld im Alter nutzt.

Teilauszahlung oder lebenslange Rente: Was lohnt sich wann?

Ob Teilauszahlung, volle Kapitalauszahlung oder lebenslange Rente besser passt, hängt von deinem Liquiditätsbedarf, deiner restlichen Vorsorge und deinem Gesundheitszustand ab. Brauchst du zum Ruhestand eine größere Summe, ist eine Teil- oder Vollauszahlung sinnvoll. Willst du vor allem sicher planbares Einkommen bis ans Lebensende, überzeugt die Rente.

Die drei Varianten im Überblick:

Variante Vorteil Nachteil Passend für
Lebenslange Rente Planbares Einkommen bis ans Lebensende, Schutz vor Langlebigkeit Kapital ist gebunden, geringere Flexibilität Wer stabiles Grundeinkommen absichern will
Teilauszahlung Sofort Liquidität plus lebenslange Rente, steuerlich oft clever Niedrigere Monatsrente als bei voller Verrentung Wer eine Einmalausgabe plant und trotzdem Rente will
Volle Kapitalauszahlung Maximale Freiheit, Geld frei verfügbar Kein Langlebigkeitsschutz, Kapital kann vorzeitig aufgebraucht sein Wer bereits andere lebenslange Einkünfte hat

Eine typische Teilauszahlung sieht so aus: Du lässt dir 30 Prozent deines Guthabens auszahlen, um einen Kredit abzulösen oder eine Reise zu finanzieren, und verrentest die übrigen 70 Prozent. So sicherst du dir sowohl eine Starthilfe als auch ein verlässliches Zusatzeinkommen.

Wie wird die private Rente 2026 besteuert?

Die Besteuerung hängt direkt von deiner Wahl ab. Entscheidest du dich für die lebenslange Rente, wird nur der Ertragsanteil besteuert. Dieser richtet sich nach deinem Alter bei Rentenbeginn und ist in § 22 EStG festgelegt. Wählst du die Kapitalauszahlung, greift unter bestimmten Bedingungen die hälftige Besteuerung der Erträge.

Der Ertragsanteil für eine lebenslange Privatrente nach der Tabelle in § 22 Nr. 1 EStG:

Alter bei Rentenbeginn Steuerpflichtiger Ertragsanteil
60 Jahre 22 %
63 Jahre 20 %
65 Jahre 18 %
67 Jahre 17 %

Beginnt deine Rente mit 67, sind also nur 17 Prozent jeder Rentenzahlung steuerpflichtig. Die restlichen 83 Prozent fließen steuerfrei. Bei einer Monatsrente von 800 Euro zählen somit nur rund 136 Euro zum zu versteuernden Einkommen.

Bei der Kapitalauszahlung gilt das Halbeinkünfteverfahren nach § 20 EStG: Läuft dein Vertrag mindestens zwölf Jahre und bist du bei Auszahlung mindestens 62 Jahre alt (die 12/62-Regel), wird nur die Hälfte der Erträge mit deinem persönlichen Steuersatz versteuert. Die eingezahlten Beiträge bleiben steuerfrei, versteuert wird nur der Gewinn. Erfüllst du die Regel nicht, fällt auf den gesamten Ertrag die Abgeltungssteuer an. Wie sich die beiden Wege konkret gegenüberstehen, zeigt unser Beitrag zur Besteuerung der privaten Rente in der Auszahlung.

Private Rente oder Rürup: Welche ist flexibler?

In Sachen Flexibilität liegt die private Rentenversicherung klar vorn. Sie bietet Kapitalwahlrecht, ist frei vererbbar und erlaubt Entnahmen je nach Vertrag. Die Rürup-Rente punktet dafür in der Ansparphase mit hoher steuerlicher Absetzbarkeit, ist dafür aber starr: keine Kapitalauszahlung, keine freie Vererbung.

Merkmal Private Rente (Schicht 3) Rürup-Rente (Schicht 1)
Kapitalwahlrecht Ja, frei wählbar Nein, nur lebenslange Rente
Steuer in der Ansparphase Keine Absetzbarkeit Beiträge zu großen Teilen absetzbar
Besteuerung der Rente Nur Ertragsanteil (17 % mit 67) Nachgelagert, voll steuerpflichtig
Vererbung Frei vererbbar Nur an enge Angehörige, stark eingeschränkt
Verfügbarkeit vor Rente Kündbar, Entnahmen möglich Nicht kündbar, nicht beleihbar

Für Selbstständige und Gutverdiener heißt das: Die Rürup-Rente eignet sich, wenn du in der Ansparphase maximal Steuern sparen willst. Die private Rente passt, wenn dir Flexibilität und freie Verfügung über dein Kapital wichtiger sind. Oft ist eine Kombination beider Schichten die stärkste Lösung. Welche Variante zu wem passt, erklärt unser Vergleich Rürup oder Privatrente. Wie hoch dein Steuervorteil bei einer Basisrente ausfällt, kannst du vorab mit unserem Rürup-Steuerrechner durchrechnen.

Teilauszahlung clever gestalten: So gehst du vor

Eine Teilauszahlung lohnt sich am meisten, wenn du sie früh planst und steuerlich optimierst. Entscheidend ist, wie viel Kapital du sofort brauchst und wie viel du als lebenslange Rente absichern willst. Je nach Aufteilung verschiebst du den Fokus zwischen Liquidität und Planungssicherheit.

So gehst du Schritt für Schritt vor:

  1. Prüfe deinen tatsächlichen Kapitalbedarf zum Ruhestand. Steht eine Kreditablösung, ein Umbau oder ein größerer Wunsch an?
  2. Rechne aus, welche monatliche Grundabsicherung du zusätzlich zur gesetzlichen Rente brauchst, um deine Fixkosten zu decken.
  3. Lege die Aufteilung fest, zum Beispiel 30 Prozent Kapital und 70 Prozent Verrentung, und lass dir beide Werte von deinem Versicherer berechnen.
  4. Achte auf die 12/62-Regel, damit der Kapitalanteil nur zur Hälfte besteuert wird. Verschiebe die Auszahlung notfalls um wenige Monate, bis beide Bedingungen erfüllt sind.
  5. Kläre die steuerliche Wirkung in deinem konkreten Fall mit deinem Steuerberater, bevor du dich final festlegst.

Wichtig ist, dass du die Entscheidung nicht erst im Auszahlungsmonat triffst. Je früher du deine Aufteilung kennst, desto gezielter kannst du die restliche Altersvorsorge darauf abstimmen. Einen Überblick über das Zusammenspiel der Vorsorgeschichten gibt dir unser Leitfaden zur Altersvorsorge für Selbstständige.

Lohnt sich die lebenslange Rente trotz Kapitaloption?

Die lebenslange Rente lohnt sich vor allem als Schutz vor Langlebigkeit, denn sie zahlt, egal wie alt du wirst. Laut der Sterbetafel 2023/2025 von Destatis hat ein heute 65-jähriger Mann noch eine fernere Lebenserwartung von 18,0 Jahren, eine Frau sogar von 21,1 Jahren. Wer deutlich älter wird, profitiert massiv von der Verrentung.

Genau hier liegt die Stärke der Leibrente. Entnimmst du dein Kapital selbst, musst du es über einen unbekannten Zeitraum einteilen und trägst das Risiko, dass es zu früh aufgebraucht ist. Die Rentenversicherung nimmt dir dieses Risiko ab und garantiert die Zahlung bis zum Lebensende.

Dass die Verrentung 2026 wieder verlässlicher kalkuliert wird, hilft zusätzlich. Der Höchstrechnungszins für Lebensversicherungen liegt seit Januar 2025 bei 1,0 Prozent und bleibt 2026 stabil. Das ist die erste Anhebung seit rund 30 Jahren und verbessert die garantierte Rentenhöhe spürbar. Die Kapitaloption bleibt dein Rückfallplan, falls du eine größere Summe brauchst. Für die laufende Grundabsicherung ist die Rente aber meist die ruhigere Wahl.

Was passiert im Todesfall mit dem Kapital?

Ob dein Kapital im Todesfall erhalten bleibt, hängt von der gewählten Variante und den vereinbarten Bausteinen ab. Bei einer reinen Rente ohne Zusatzvereinbarung endet die Zahlung mit dem Tod. Mit einer Rentengarantiezeit oder Kapitalrückgewähr sicherst du dagegen ab, dass deine Hinterbliebenen weiterhin Geld erhalten.

Üblich sind drei Wege: eine Rentengarantiezeit, in der die Rente auch nach deinem Tod für eine festgelegte Dauer weiterläuft, eine Beitragsrückgewähr, bei der das noch nicht verrentete Guthaben ausgezahlt wird, oder eine Hinterbliebenenrente für Partner. Entscheidest du dich für die Kapitalauszahlung, ist das Geld ohnehin frei vererbbar und fällt in deinen Nachlass. Welcher Baustein sinnvoll ist, solltest du passend zu deiner Familiensituation wählen.

Häufige Fragen

Kann ich bei der privaten Rente nachträglich zwischen Rente und Kapital wechseln?

Ja, das Kapitalwahlrecht übst du erst kurz vor Rentenbeginn aus, meist in einem Zeitfenster von einigen Monaten. Beim Abschluss legst du dich nicht fest. So kannst du deine Entscheidung an deine tatsächliche Lebenssituation im Alter anpassen, statt Jahrzehnte vorher zu raten.

Wie hoch ist die Steuer bei einer Teilauszahlung?

Bei der Teilauszahlung wird der Kapitalanteil nach der 12/62-Regel behandelt: Läuft der Vertrag mindestens zwölf Jahre und bist du mindestens 62, wird nur die Hälfte der Erträge mit deinem persönlichen Steuersatz versteuert. Der verrentete Anteil wird separat nur mit dem Ertragsanteil besteuert, mit 67 sind das 17 Prozent.

Ist die private Rente oder die Kapitalauszahlung steuerlich günstiger?

Das hängt von deinem Steuersatz im Alter ab. Die lebenslange Rente wird dauerhaft nur mit dem niedrigen Ertragsanteil besteuert, die Kapitalauszahlung einmalig zur Hälfte. Wer im Ruhestand einen niedrigen Steuersatz hat, fährt mit der Rente oft besser. Eine individuelle Berechnung mit dem Steuerberater lohnt sich.

Für wen eignet sich die volle Kapitalauszahlung?

Die volle Kapitalauszahlung passt vor allem, wenn du bereits andere lebenslange Einkünfte wie gesetzliche Rente oder Mieteinnahmen hast und flexibel über dein Geld verfügen möchtest. Ohne solche Absicherung trägst du selbst das Risiko, dass das Kapital früher aufgebraucht ist, als du lebst.

Fazit

Die private Rentenversicherung ist der flexibelste Baustein deiner Altersvorsorge. Das Kapitalwahlrecht lässt dir die Entscheidung zwischen lebenslanger Rente, voller Kapitalauszahlung und Teilauszahlung offen, und das erst dann, wenn du deine Lage im Alter kennst. Steuerlich ist die Rente mit nur 17 Prozent Ertragsanteil ab 67 stark, die Kapitaloption dank 12/62-Regel ebenfalls. Entscheidend ist, dass du die Aufteilung früh planst und zu deiner restlichen Vorsorge passend wählst.

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