Freiwillig gesetzlich versichert als Selbstständiger 2026

Robin Koch · 10. Juli 2026 · 8 Min.

Sparschwein aus Keramik und Münzstapel auf hellem Schreibtisch als Symbol für GKV-Beiträge Selbstständiger 2026

Als freiwillig gesetzlich versicherter Selbstständiger zahlst du 2026 zwischen rund 278 und 1.261 Euro Kranken- und Pflegeversicherungsbeitrag im Monat. Die GKV berechnet deinen Beitrag nicht nach Leistung oder Gesundheitszustand, sondern allein nach deinem Einkommen: 14,0 Prozent ermäßigter Beitragssatz ohne Krankengeldanspruch oder 14,6 Prozent allgemeiner Satz, dazu der Zusatzbeitrag deiner Kasse (Durchschnitt 2026: 2,9 Prozent laut Bundesgesundheitsministerium) und die Pflegeversicherung mit 3,6 Prozent, für Kinderlose 4,2 Prozent. Bemessen wird dein gesamtes Einkommen bis zur Beitragsbemessungsgrenze von 5.812,50 Euro im Monat, also neben dem Gewinn auch Mieteinnahmen und Kapitalerträge. Und selbst wer wenig verdient, zahlt: Die Mindestbemessungsgrundlage liegt 2026 bei 1.318,33 Euro im Monat. Die freiwillige GKV ist für Selbstständige der Standardweg, aber oft nicht der günstigste. Die Zahlen und Rechenwege im Detail:

Was bedeutet freiwillig gesetzlich versichert als Selbstständiger?

Selbstständige sind in Deutschland nicht versicherungspflichtig in der gesetzlichen Krankenversicherung. Wer sich selbstständig macht und vorher gesetzlich versichert war, bleibt nach § 9 SGB V als freiwilliges Mitglied in der GKV, sofern er nicht aktiv kündigt. Freiwillig heißt also nur: Du darfst wählen. Es heißt nicht, dass die Mitgliedschaft günstiger wäre.

Genau diese Wahlfreiheit unterscheidet dich von Angestellten. Für die gilt die Versicherungspflichtgrenze von 77.400 Euro Jahresbrutto, unter der sie gesetzlich versichert sein müssen. Wie diese Grenze funktioniert, liest du im Artikel zur Versicherungspflichtgrenze 2026. Als Selbstständiger kannst du dagegen vom ersten Tag an frei zwischen GKV und PKV entscheiden, unabhängig vom Einkommen.

Die freiwillige Mitgliedschaft läuft automatisch weiter, wenn du nach dem Angestelltenverhältnis nichts unternimmst. Viele Gründer rutschen so in den teuersten Status hinein, ohne die Alternative geprüft zu haben.

Wie berechnet die GKV 2026 deinen Beitrag als Selbstständiger?

Die GKV multipliziert deine beitragspflichtigen Einnahmen mit dem Beitragssatz. 2026 gelten: 14,0 Prozent ermäßigter Satz ohne Krankengeldanspruch oder 14,6 Prozent allgemeiner Satz mit Krankengeld, plus kassenindividueller Zusatzbeitrag (Durchschnitt: 2,9 Prozent) plus Pflegeversicherung mit 3,6 Prozent, für Kinderlose ab 23 Jahren 4,2 Prozent.

Die wichtigsten Rechengrößen 2026 laut Sozialversicherungsrechengrößen-Verordnung:

Rechengröße 2026 Wert
Beitragsbemessungsgrenze KV/PV 69.750 € pro Jahr (5.812,50 € pro Monat)
Mindestbemessungsgrundlage Selbstständige 1.318,33 € pro Monat
Bezugsgröße 3.955 € pro Monat
Allgemeiner Beitragssatz (mit Krankengeld) 14,6 %
Ermäßigter Beitragssatz (ohne Krankengeld) 14,0 %
Durchschnittlicher Zusatzbeitrag 2,9 %
Pflegeversicherung 3,6 % (kinderlos 4,2 %)

Zwei Werte begrenzen die Rechnung nach unten und oben. Verdienst du weniger als 1.318,33 Euro im Monat, rechnet die Kasse trotzdem mit diesem Mindestwert. Verdienst du mehr als 5.812,50 Euro, bleibt alles darüber beitragsfrei. Dazwischen wächst dein Beitrag linear mit dem Einkommen.

Was kostet die freiwillige GKV 2026 konkret?

Ein Selbstständiger mit 60.000 Euro Jahresgewinn zahlt 2026 rund 1.055 Euro im Monat für Kranken- und Pflegeversicherung. Gerechnet mit ermäßigtem Satz, durchschnittlichem Zusatzbeitrag und Pflegeversicherung für Kinderlose. Der GKV-Höchstbeitrag liegt bei 1.226 Euro, mit Krankengeldanspruch bei 1.261 Euro im Monat.

So sieht die Spanne im Überblick aus (ermäßigter Satz 14,0 % plus 2,9 % Zusatzbeitrag, Pflegeversicherung kinderlos 4,2 %):

Profil Bemessungsgrundlage Krankenversicherung Pflegeversicherung Gesamt pro Monat
Gründerin mit 900 € Gewinn (Mindestbeitrag) 1.318,33 € 222,80 € 55,37 € 278,17 €
Selbstständiger, 34, 60.000 € Gewinn 5.000,00 € 845,00 € 210,00 € 1.055,00 €
Gut laufendes Business ab 69.750 € Gewinn (Höchstbeitrag) 5.812,50 € 982,31 € 244,13 € 1.226,44 €

Mit einem Kind sinkt die Pflegeversicherung auf 3,6 Prozent, mit Krankengeldanspruch steigt die Krankenversicherung auf 14,6 Prozent plus Zusatzbeitrag. Wichtig: Der Zusatzbeitrag variiert je nach Kasse deutlich. Der Durchschnittswert von 2,9 Prozent ist der vom Bundesgesundheitsministerium festgelegte Orientierungswert für 2026.

Zum Vergleich: Was Selbstständige in der privaten Krankenversicherung zahlen und wovon der Beitrag dort abhängt, zeigt der Artikel PKV für Selbstständige: Kosten 2026.

Warum zählt in der GKV dein gesamtes Einkommen und nicht nur der Gewinn?

Bei freiwillig Versicherten berücksichtigt die GKV nach § 240 SGB V die gesamte wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. Beitragspflichtig ist deshalb nicht nur dein Gewinn aus der Selbstständigkeit, sondern auch Mieteinnahmen, Kapitalerträge, Renten und weitere Einkünfte, jeweils bis zur Beitragsbemessungsgrenze.

Das überrascht viele Selbstständige mit Immobilie oder Depot. Ein Beispiel: 40.000 Euro Gewinn plus 12.000 Euro Mieteinnahmen ergeben 52.000 Euro beitragspflichtige Einnahmen. Daraus folgen bei 16,9 Prozent Kranken- und 4,2 Prozent Pflegeversicherung rund 914 Euro Monatsbeitrag, obwohl das Kerngeschäft nur 40.000 Euro abwirft.

Angestellte kennen diesen Effekt nicht, bei ihnen zählt nur das Arbeitsentgelt. Als freiwillig versicherter Selbstständiger reichst du dagegen jährlich deinen Einkommensteuerbescheid ein, und die Kasse setzt den Beitrag rückwirkend fest. Läuft dein Jahr besser als erwartet, kommt eine Nachzahlung.

Bekommst du als Selbstständiger Krankengeld in der GKV?

Nicht automatisch. Als freiwillig versicherter Selbstständiger giltst du standardmäßig ohne Krankengeldanspruch und zahlst den ermäßigten Satz von 14,0 Prozent. Willst du ab der 7. Krankheitswoche gesetzliches Krankengeld, gibst du eine Wahlerklärung ab und zahlst den allgemeinen Satz von 14,6 Prozent.

Das gesetzliche Krankengeld beträgt 70 Prozent des zuletzt nachgewiesenen Arbeitseinkommens, gedeckelt auf die Beitragsbemessungsgrenze. Für viele Selbstständige ist das zu wenig und kommt zu spät, denn die ersten sechs Wochen sind gar nicht abgesichert. Wie du deine Absicherung bei Arbeitsunfähigkeit richtig dimensionierst, liest du im Beitrag zum Krankentagegeld für Selbstständige.

Wann lohnt sich der Wechsel von der freiwilligen GKV in die PKV?

Ein Wechsel in die private Krankenversicherung lohnt sich für Selbstständige besonders, wenn du gesund bist, planbar gut verdienst und Wert auf Leistung legst. Denn die PKV berechnet den Beitrag nach Eintrittsalter, Gesundheitszustand und gewähltem Tarif, nicht nach deinem Einkommen. Steigt dein Gewinn, steigt dein PKV-Beitrag nicht mit.

Genau darin liegt der strukturelle Unterschied: In der GKV bestraft jedes zusätzliche Einkommen dich mit höheren Beiträgen bei identischer Leistung. In der PKV kaufst du ein festes Leistungspaket ein, oft mit deutlich besserer Versorgung, von freier Arztwahl bis zu schnelleren Facharztterminen. Einen strukturierten Gesamtvergleich beider Systeme findest du im Artikel GKV oder PKV: Der Vergleich 2026, und mit dem PKV-GKV-Vergleichsrechner kannst du deine eigenen Zahlen direkt durchspielen.

Fair bleibt die Abwägung trotzdem: Es gibt Konstellationen, in denen die freiwillige GKV die passende Wahl ist. Wenn dein Partner ohne eigenes Einkommen und mehrere Kinder kostenfrei familienversichert werden sollen, wenn dein Gewinn stark schwankt und regelmäßig unter der Mindestbemessung liegt oder wenn Vorerkrankungen die Gesundheitsprüfung erschweren, kann das GKV-Modell wirtschaftlich sinnvoll sein. Genau deshalb gehört an den Anfang eine ehrliche Rechnung mit deinen realen Zahlen, nicht ein pauschales Entweder-oder.

Und der Klassiker-Einwand, die PKV werde im Alter unbezahlbar? Der ignoriert die eingebauten Mechanismen: Aus deinem Beitrag werden Altersrückstellungen gebildet, der gesetzliche 10-Prozent-Zuschlag dämpft spätere Erhöhungen, Beitragsentlastungsbausteine senken den Beitrag im Ruhestand planbar, und das Tarifwechselrecht nach § 204 VVG erlaubt dir jederzeit den Wechsel in günstigere Tarife beim selben Versicherer, ohne neue Gesundheitsprüfung. Wer das früh mitdenkt, hält seine Beiträge auch im Alter im Griff. Mehr zu den Strategien liest du auf unserer PKV-Seite.

So gehst du vor: In 5 Schritten zur richtigen Entscheidung

  1. Beitragspflichtige Einnahmen zusammenstellen: Gewinn laut letztem Steuerbescheid plus Mieteinnahmen, Kapitalerträge und sonstige Einkünfte.
  2. GKV-Beitrag 2026 berechnen: Einnahmen (maximal 5.812,50 Euro pro Monat) mal 16,9 Prozent plus Pflegeversicherung. Das ist deine aktuelle oder künftige GKV-Belastung.
  3. Absicherungsbedarf klären: Krankengeld oder Krankentagegeld, gewünschtes Leistungsniveau, Familienplanung. Kinder sind in der GKV kostenfrei mitversichert, in der PKV zahlt jede Person eigenen Beitrag.
  4. PKV-Angebote mit Gesundheitsprüfung realistisch prüfen: Anonyme Risikovoranfrage statt Blindbewerbung, damit keine Ablehnung aktenkundig wird.
  5. Langfristig rechnen: Nicht den günstigsten Einstiegsbeitrag wählen, sondern Tarifstabilität, Altersrückstellungen und Entlastungsbausteine vergleichen.

Häufige Fragen

Wie hoch ist der GKV-Mindestbeitrag für Selbstständige 2026?

Die Mindestbemessungsgrundlage liegt 2026 bei 1.318,33 Euro im Monat. Daraus ergeben sich mit ermäßigtem Beitragssatz und durchschnittlichem Zusatzbeitrag rund 223 Euro Krankenversicherung plus etwa 55 Euro Pflegeversicherung für Kinderlose, zusammen rund 278 Euro. Mit Kind sinkt der Pflegeanteil leicht.

Zählen Mieteinnahmen und Kapitalerträge zum GKV-Beitrag?

Ja. Bei freiwillig Versicherten berücksichtigt die Kasse nach § 240 SGB V die gesamte wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, also auch Einkünfte aus Vermietung und Kapitalvermögen, bis zur Beitragsbemessungsgrenze von 5.812,50 Euro im Monat. In der PKV spielt dein Einkommen dagegen keine Rolle für den Beitrag.

Kann ich als Selbstständiger jederzeit in die PKV wechseln?

Ja. Als hauptberuflich Selbstständiger bist du nicht versicherungspflichtig und kannst unabhängig von deinem Einkommen in die PKV wechseln. Voraussetzung ist die Gesundheitsprüfung des Versicherers. Die Kündigungsfrist der freiwilligen GKV-Mitgliedschaft beträgt zwei volle Kalendermonate zum Monatsende.

Was passiert bei schwankendem Gewinn mit meinem GKV-Beitrag?

Die Kasse setzt deinen Beitrag zunächst vorläufig auf Basis des letzten Einkommensteuerbescheids fest. Nach Vorlage des neuen Bescheids wird rückwirkend endgültig abgerechnet. Lief das Jahr besser, zahlst du nach. Lief es schlechter, bekommst du zu viel gezahlte Beiträge erstattet.

Fazit

Die freiwillige GKV ist für Selbstständige der bequeme Standard, aber selten der effizienteste Weg. 2026 kostet sie bis zu 1.261 Euro im Monat, und jeder zusätzlich verdiente Euro unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze erhöht den Beitrag, ohne dass du mehr Leistung bekommst. Wer gesund ist und stabil verdient, bekommt in der PKV oft mehr Leistung für einen Beitrag, der nicht am Einkommen hängt. Entscheidend ist eine saubere Rechnung mit deinen echten Zahlen statt Bauchgefühl.

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